Jüngst bewiesen die zeitgleichen BDBI- und MDE-Jahrestreffen, dass ein gemeinsames Netzwerk-Event Schule machen dürfte.
Sowohl der Bund Deutscher Buchbinder (BDBI) als auch die Meister der Einbandkunst (MDE) offerierten nach Christi Himmelfahrt 2026 im Berufliches Schulzentrum „Alois Senefelder“ in München ein attraktives Programmangebot – nicht nur für die Mitglieder alleine. Bei der Eröffnung der Ausstellungen „Internationaler Bucheinband-Wettbewerb für Auszubildende“ – einschließlich der feierlichen Preisverleihung –, „Mein Morgenstern-Projekt“ und „Neue Arbeiten von MDE-Mitgliedern“ wurden rund 100 Tagungsgäste gezählt. Einen fachlichen Nutzen gab es mit persönlichem Networking und Wissenstransfer gerade in den Kaffee- und Mittagspausen sowie kulinarischen Mehrwert in typischen Münchner Lokalen beim Genuss von bayerischen Schmankerln abends.
Auch profitierten die Teilnehmenden von den genau zeitgleich organisierten Tagungen beider Verbände insofern, dass sie beliebige Programmpunkte aufseiten beider Veranstalter nach eigener Auswahl wahrnehmen durften. Erneut standen bei der BDBI-Jahrestagung aktuelle Technologiethemen im Fokus: Beispielsweise vermittelte Wolfram Hohl, BSZ-Fachlehrer für das Buchbinden, aus neutraler Sichtweise einen Überblick zu den Digitaldruck-Technologien. Interessierte konnten bei Führungen durch die Schulräume, Produktion und Werkstätten wertvolle Einblicke in die umfangreiche Buchbinderei-Maschinenausstattung gewinnen. Parallel überführte die MDE-Jahrestagung unter anderem Gestaltungsthemen in die Praxis: Viele Teilnehmende nahmen verschiedene Workshops wahr – wie z.B. zur Gestaltung von Pergamentauflagen, zur Anwendung der Scharniertechnik, zur Monotypie per Gelplatte, zum Lederfärben und Lederstrukturieren, zum Einsatz von Plottertechnik – und erfuhren von den Fachleuten hilfreiche Tipps und Tricks.
Bezüglich der stofflichen Aufbereitung und Wiederverwertung sind Papier, Karton und Pappe typische Beispiele funktionierender Kreislauf-Wirtschaft. Während einer Führung durch den Entsorgungsfachbetrieb Rohprog in München wurde das Prinzip spezialisierten Recyclings und ökologischer Nachhaltigkeit deutlich. Rohprog ist ein Friedrich Römer-Schwesterbetrieb mit 90 Beschäftigten und verwertet (Papier-, Karton- und Pappe-) Abfälle der Druckindustrie (40 Prozent) und Verpackungsindustrie (60 Prozent) sowie der Pressegrosso-Branche bei einer Kapazität von 140 000 – 200 000 Tonnen pro Jahr.
Personal ist das wichtigste Kapital im Buchbinderei-Gewerk. Seit Jahren ist der BDBI um eine Erneuerung der Ausbildungsverordnung des Handwerksberufs bemüht, die es an veränderte Anforderungen vor der Tatsache zurückgehender neuer Ausbildungsverhältnisse anzupassen gilt. Demnach soll der künftige Berufsnachwuchs nicht wie bisher zwei Jahre lang gemeinsam mit den Medientechnologen Druckverarbeitung unterrichtet werden; dafür soll es durchweg einheitliche Handwerksklassen geben, was jedoch eine Zusammenlegung bestehender Berufsschulen in Deutschland erfordert. Indessen ist dem BDBI ein großer Schritt bei der Weiterbildung im Bereich der Bestandserhaltung und Instandsetzung von Papierdokumenten in diesem Handwerksberuf gelungen: Erstmals ab Herbst 2026 ist die Teilnahme an der Qualifikation „Geprüfte(r) Restaurator(in) im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk“ möglich.
Frank Baier
https://www.bdbi.org, https://mde-einbandkunst.eu

