Ausbildung: gestern Schule, heute Betrieb

Jugendliche beginnen mit ihrer Ausbildung eine ganz neue Epoche – und Unternehmen müssen sich für den Berufsnachwuchs engagieren.

Mitunter verlaufen die ersten Arbeitstage von frischgebackenen „Azubis“ unstrukturiert – speziell in kleinen Betrieben. „Sie sind häufig auf die Ankunft der neuen Mitarbeiter nicht vorbereitet“, weiß Alexander Walz von der Personalberatung Conciliat, Stuttgart. „Mal sollen die Berufseinsteiger gleich wie ‚alte Hasen‘ mitarbeiten.“ Doch das überfordert viele. „Mal stehen sie nutzlos in der Ecke.“ Genau das erzeugt bei ihnen das Gefühl: Ich werde nicht gebraucht. Dahinter steckt meist keine böse Absicht, sagt der Fachmann.

„Die Verantwortlichen versetzen sich nur zu wenig in die Lage der jungen Leute.“ Für den Berufsnachwuchs beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Entsprechend angespannt sind sie. Viele Gedanken rasen ihnen durch den Kopf: Wie sind meine künftigen Kollegen? Werde ich akzeptiert? Kann ich die Aufgaben erfüllen? „Deshalb ist es wichtig, den jungen Leuten eine gute Ankunft zu ermöglichen. Denn vom ersten Eindruck hängt sehr stark ab, wie sehr sie sich mit Job und Arbeitgeber identifizieren“, macht Walz klar.

Genügend Zeit einplanen
Jedoch können sich kleinere Unternehmen aufwendige Einführungsprogramme nicht leisten. Deswegen sollte sich der Chef selbst oder ein Stellvertreter zwei, drei Stunden Zeit nehmen, dem „Azubi“ den Betrieb zu zeigen und ihn den wichtigsten Personen vorzustellen. Ebenso gilt es praktische Dinge zu besprechen, z.B.: Sollten Neue einen Einstand geben? Wie sind die Pausen geregelt? Dennoch sollte man die „Azubis“ am ersten Tag nicht mit viel mehr Input belasten. Während eines weiteren Gesprächs können der Ausbildungsverlauf erklärt und die Erwartungen des Betriebes definiert werden – „bezüglich des Arbeitsverhaltens sowie im Umgang mit Kunden und Kollegen.“ Das geschieht oft nicht, kritisiert Führungskräftetrainer Reiner Voss, Hamburg, „sodass junge Kollegen ungewollt in Fettnäpfchen treten“.

Ebenso empfiehlt Voss Unternehmen, die wichtigsten Dinge in einem Handbuch zu notieren. Wie werden Unterlagen archiviert? Worauf ist beim Schreiben von E-Mails zu achten? Wie und wann ist Urlaub zu beantragen? Demzufolge müssen die „Azubis“ seltener bei Kollegen nachfragen. Hilfreich ist auch eine Agenda, wer den Auszubildenden wann solche Dinge wie die wichtigsten PC-Programme erklärt. Dadurch wird nichts vergessen, und Informationen werden in verdaubaren „Häppchen“ serviert.

Andrej Winter

Auszubildender bei der Buchherstellung. Foto: BVDM
Auszubildender bei der Buchherstellung. Foto: BVDM