Dramatisch verschlechtert im Vergleich zu 2022 hat sich die Lesekompetenz von 15-Jährigen in Deutschland, wie die Ergebnisse der PISA-Erhebungen aus dem Frühjahr 2025 zeigen. Die Zahl der Jugendlichen, die beim Lesen keine ausreichenden Basiskompetenzen erreichen, stieg innerhalb von nur drei Jahren von einem Viertel (25 Prozent) auf rund ein Drittel (32 Prozent).
Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: „Rückläufige Buchkäufe unter Jugendlichen und die schwachen PISA-Ergebnisse zur Lesekompetenz sind Entwicklungen, die auf ein gemeinsames, zugrunde liegendes Problem aufmerksam machen: Viele junge Menschen in Deutschland erreichen beim Lesen nicht das Kompetenzniveau, das sie für eine selbstbestimmte Teilhabe an Bildung und Gesellschaft benötigen. Ursachen dafür sind vielfältig. Digitale, visuelle Medien, eine Flut an Streaming-Angeboten und der rapide zunehmende Einsatz von generativer KI verändern die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen, wirken mit fehlender früher Leseförderung verheerend zusammen. Klar ist auch: Lesekompetenz ist in Deutschland nicht nur eine Frage der Vorlieben oder Begabung Einzelner, sondern sie schwächelt strukturell und ist nach wie vor auch ganz eklatant mit sozialer Herkunft verbunden.“
Zeitpunkt des Handelns
Wiederum seien es Kinder aus sozial schwächeren Familien, die bei PISA deutlich schlechter abschnitten. „Wer früh den Anschluss verliert, gewinnt ihn auch auf Dauer nicht, mit Folgen für Ausbildungsfähigkeit, Arbeitsmarkt-Chancen, gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe“, erklärt Sebastian Guggolz. „Die Branche engagiert sich seit Jahrzehnten unermüdlich in der Leseförderung, doch zivilgesellschaftliches Engagement kann politisches Handeln nicht ersetzen. Wir haben keine Zeit mehr für weitere Bestandsaufnahmen, jetzt ist der Zeitpunkt zu handeln.“
Um Kinder aus bildungsfernen Haushalten besonders in ihrer Lesefähigkeit zu stärken und der wachsenden Bildungsungerechtigkeit gezielt entgegenzuwirken, baut die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins mit Unterstützung der Auridis Stiftung das Projekt „Lesetüte“ aus.
Bereits seit 2011 erhalten Erstklässler zur Einschulung eine von älteren Schulkindern bemalte Tüte mit einem Erstlesebuch und Materialien für die Eltern. Im Fokus des Projektausbaus stehen Schulen in sozial schwieriger Lage, die von der Aktion bislang kaum erreicht wurden. Geplant ist eine engere Verzahnung mit dem „Leseband“, einem seit 2015 in vielen Bundesländern eingeführten Konzept, das täglich 20 Minuten zusätzliche Lesezeit im Unterricht vorsieht: Weil „Leseband“-Schulen einen erhöhten Bedarf an geeigneter Lektüre haben, sollen Lesetüten künftig gezielt an diesen Schulen verteilt werden.

